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Bertolini-Rümmele - heim+müller architektur in Dornbirn

Bödele, Dornbirn


Häfenberg in Dornbirn ist der südlichste zur Bergparzelle Watzenegg gehörende Weiler und liegt am Rande einer Geländestufe, die gegen Süden und Westen steil abfällt. Diese von der Sonne begünstigte Lage war Voraussetzung für eine frühe und dichte Bebauung. Vier denkmalgeschützte Bauten aus dem 17. Jahrhundert prägen noch heute den von Weideflächen umgebenen kompakten Dorfkern. Die Verwendung von ausschließlich unbehandeltem Holz und eine unversehrte Dachlandschaft der meist mit Biberschwanzziegel gedeckten Satteldächer sind Grundlage für den erhalten gebliebenen ursprünglichen Ensemblecharakter und die unbeeinträchtigte Ortsbildqualität.

 

Das umgebaute und sanierte Haus Häfenberg 4 ist ein um 1680 entstandener Rheintalhof, der 1930 traufseitig im Süden eine zweigeschossige Holzlaube erhielt, die das Erscheinungsbild nachhaltig veränderte. Die Aspekte des Denkmalschutzes und der Ensembleerhaltung waren Grundlage für die erfolgte sanfte Sanierung, die zeitgemäßes familiäres Wohnen ermöglichen sollte.

 

Den gehobenen Anforderungen an moderne Haustechnik wurde unter anderem durch eine neue Heizung Rechnung getragen. Für die Pelletsheizung wurde im Kellergeschoss ein Technikraum ausgebaggert und betoniert, die Bäder sind mit Fußbodenheizung ausgestattet und der originale Kachelofen in der alten, mit einer schlichten Holztäfelung versehenen Stube wurde saniert.

 

Das Raumkonzept besteht aus Wohn- und Essbereich mit offener Küche und einer entsprechenden Raumhöhe im komplett - mit teilweise verstärktem Dachstuhl - ausgebauten Dachboden, Schlafräumen und Bad im ersten Obergeschoss sowie Spiel- und Arbeitsräumen im Erdgeschoss, das später als Einliegerwohnung umgebaut werden kann. Die Sanierung des angrenzenden Stadls, in dem ein Lift, ein Musikproberaum, ein Schwimmbad und eine Sauna geplant sind, ist für eine spätere Bauphase vorgesehen.

 

Die thermische Hülle des Gebäudes wurde wesentlich verändert, aber die vorhandene Gebäudehülle erfuhr keine strukturelle Veränderung und das originale Erscheinungsbild blieb erhalten. Die aus Strick bestehenden Außenwände erhielten eine neue Fichte-Schindelfassade. Der Holzschirm aus Altholzbrettern wurde in Abstimmung mit dem Denkmalschutz lediglich mit einem Dispersionsstrahlgerät ohne Hochdruck gereinigt und Fasern mit feinem Scotchpapier abgeschliffen. Im Dachgeschoss wurde teilweise eine Zwischensparren- bzw. eine Aufdachdämmung angebracht. Die aus energetischen Gründen notwendigen neuen Holzfenster mit 3-S Verglasung erhielten auf Wunsch des Architekten Knochengriffoliven, die bestehenden Fensterbänke und die Läden wurden ebenfalls sanft gereinigt und abschließend mit Leinöl eingelassen.

 

Die überwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammenden Innentüren wurden abgelaugt, die alten Beschläge wieder verwendet. Die neue Haustür aus Glas im sogenannten Altan oder Söller wurde mit einem Altholzverdeck - das Holz dafür entnahm man dem alten Schopf und reinigte es mit Molke - versehen um sich in die sanierten Holztäfer und die neue Schindelfassade des überdachten Eingangsbereichs einzufügen. Der Boden des Altan wurde teilweise erneuert und ergänzt, das bestehende Sandsteinpodest lediglich sanft gereinigt.

 

Mit gleicher Sorgfalt wurden die Decken- und Wandtäfer der alten Stube per Hand abgeschliffen und weiß (wie ursprünglich) gestrichen. Der neue Hauswirtschaftsraum erhielt nach Entfernen der Dispersionsfarbe die originale grüne Farbe. Die alten Eichendielen wurden gereinigt, gebürstet und mit Aschenlauge gewaschen. Neue Nasszellen bekamen Böden aus Gussasphalt.

 

Besonders bei der Elektroausstattung ist die Liebe zu den Details zu spüren: alle Schalter und Steckdosen sind aus der Produktlinie Berker 1930. Mit  verdeckten Linienleuchten, Stehleuchten und LED Leuchtbänder und  möglichst keinen Deckenleuchten nimmt man Rücksicht auf die vorhandenen Raumstrukturen.

Die bestehende Holztreppe vom EG ins 1. Obergeschoss hat man für eine komplette Sanierung demontiert und gebürstet, gereinigt und angeschliffen wieder eingebaut. Die Treppe vom Obergeschoss ins ausgebaute Dachgeschoss wurde exakt der alten Treppe nachgebildet. Für die 2-fache Biberschwanzdeckung kamen die alten Dachziegel zum Einsatz, teilweise mussten sie mit alten Dachziegeln eines anderen Projektes in Dornbirn ergänzt werden, der Kamin mit originalem Rheintalhut wurde ebenfalls saniert.

 

Die besondere Herausforderung bei einer umfangreichen Gebäudesanierung zeigte sich im Laufe des Bauprozesses, während dem die Planung immer wieder neu aufgerollt wurde und zahlreiche Ereignisse Planungsänderungen nach sich zogen. Ohne das Verständnis und die Offenheit der Bauherrschaft für neue Ideen wäre die Sanierung des alten Rheintalhauses sicher nicht in dieser hohen Qualität möglich gewesen.

Presse:

Mein Wohntraum, Frühjahr 2015:

"Sanfte Sanierung" (pdf)

referenzbauten.de, Frühjahr 2015:

zu referenzbauten

Bauzeit:
2014