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Garnfärberei, Fabrik Steinebach - heim+müller architektur in Dornbirn

Steinebachareal, Dornbirn


Das 1891 errichtete Gebäude sollte auch nach der Sanierung noch ganz klar als typischer Zeitzeuge für die Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts erkennbar sein. Ziel der Maßnahmen war die energetische Sanierung der Fassade mit ihren großflächigen Industrieverglasungen aus Stahl. Die hierfür verwendeten filigranen Stahlprofile Janisol Arte bewahren das Erscheinungsbild der vorgefundenen Fensterkonstruktion und erfüllen gleichzeitig die Anforderungen an einen zeitgemässen Wärmeschutz.

 
Das Färbereigebäude wurde 1891 errichtet und 15 Jahre später erweitert. Der klar strukturierte, geradlinige Baukörper hat für den Gewerbepark Steinebach einen hohen Situationswert: als herausragendes Glied der linearen Bebauungsstruktur stellt es einen markanten Baukörper entlang des Steinebachs dar. Bis zum Auflassen der Textilindustrie in Steinebach im Jahr 2010 wurde das Gebäude als Garnfärberei genutzt und befindet sich in einem baulich guten Zustand. Doch für die nun vorgesehene Nutzung als moderne Büro- und Laborräume durch den Hightech-Automobil-Zulieferer Henn musste es grundlegend saniert werden.

 
Mit Wänden aus verputztem Ziegelmauerwerk, Stahlstützen und einfach verglasten Stahlsprossenfenstern steht das Färbereigebäude typisch für die Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts. Dieser Charakter sollte auch nach der Sanierung noch klar zum Ausdruck kommen. Ein Ziel der Maßnahmen war die energetische Sanierung der Außenhülle, insbesondere die der Fenster. Im betroffenen Sanierungsabschnitt befinden sich 25 Rundbogenfenster mit einer Abmessung von ca.190 x 250 cm. Doch mit den damals üblichen, nicht isolierten Stahlprofilen lassen sich zeitgemäße bauphysikalische Anforderungen kaum mehr erfüllen: Die ursprünglichen Stahlfenster aus Gusseisenprofilen mit ihrer kleingliedrigem Aufteilung waren nicht nur zum Teil stark korrodiert; der Einbau von
Vakuumverglasungen in die historischen Stahlprofile schied auch aufgrund der Kältebrückenproblematik aus.

 
Der Wunsch nach einer stilgerechten und möglichst originalgetreuen Rekonstruktion unter Beibehaltung der kleinteiligen Fenstergliederung einerseits und die Vorgaben des Gesetzgebers hinsichtlich des baulichen Wärmeschutz andrerseits definierten den planerischen Spielraum. In diesem gegebenen Rahmen haben die mit der Planung betrauten Architekten Heim+Müller, Dornbirn, mit Sachverstand und Fingerspitzengefühl konsequent eine adäquate Lösung erarbeitet. Mit dem
filigranen Stahlsystem Janisol Arte fanden die Architekten schließlich das geeignete Profil: Mit einer Ansichtsbreite zwischen 25 und 40 mm und einer Bautiefe von 60 mm ist Janisol Arte das erste Stahlprofilsystem für Loft- und Industrieverglasungen, das so schlank ist und doch thermisch getrennt. Mit dem schlanken Stahlprofilsystem sind großflächige Festverglasungen sowie Fensterflügel von bis zu 800 auf 1600 mm möglich als ein- oder zweiflügeliges Drehfenster nach innen oder außen öffnend, als einflügeliges Kipp- oder Klappfenster oder als einflügeliges Senkklappfenster nach innen oder nach außen öffnend; auch als Sondergeometrien wie Rundbogen- oder Trapezfenster.

 
Für die Garnfärberei Dornbirn fertigte das mit der Ausführung der Arbeiten beauftragte Unternehmen, der Metallbaubetrieb Hagn Leone, Dornbirn, die Industrieverglasungen gemäß dem vorgefundenen Bestand als Festverglasung mit einem mittig eingesetzten, öffenbaren Flügel. Doch zuvor galt es, sich mit der Verarbeitung des extrem schlanken Stahlprofils vertraut zu machen.

 
Dies geschah im Rahmen einer kurzfristig angesetzten Schulung in der Werkstätte der Jansen AG.
Aufgrund der schmalen Ansichtsbreite von Janisol Arte, die nur wenig Spielraum für Glaseinstand und Glasleisten lässt, ist eine sehr präzise Arbeitsweise vonnöten. Vorteilhaft für die Verarbeitung von Janisol Arte ist es, dass sich die hochpräzisen, auf modernsten Fertigungsstrassen hergestellten Stahlprofile durch sehr kleine Kantenradien auszeichnen. Sorgfältig und sauber haben die versierten Metalltechniker mit ihren Auszubildenden und Helfern schließlich alle Anschlüsse und Verbindungen der aufwendigen Sprossenkonstruktion hergestellt.

 
Im ersten Schritt stand der Austausch der Fensterelemente des Erdgeschoss eine Fläche von 1400 Quadratmeter zur Sanierung an. 25 Stock-und Fensterrahmen mit jeweils einem öffenbaren Flügel wurden in der Werkstatt von Hagn-Leone aus walzblanken Überlängen Janisol Arte zugeschnitten, verschweisst und verschliffen sowie gebohrt. Für die Verarbeitung von Janisol Arte stehen dort verschiedene Sägen, Fräsen, Bohrmaschine, WIG + MAG Schweissgeräte sowie die Janisol Arte Verarbeitungslehren zur Verfügung. Die Fertigung in der Werkstatt bietet den Vorteil von kontrollierbaren Arbeitsbedingungen; trotzdem wurden die im gleichen braunschwarzen Farbton pulverbeschichteten Glasleisten erst vor Ort zugeschnitten, um sie je nach Stärke des Farbauftrags massgenau einpassen zu können von der Präzision her bewegt man sich in einem Toleranzbereich von weniger als einem Millimeter. Erst nach ihrem Einbau wurden die Elemente mit einem Wärmeschutz-Isolierglas 1.1 W/m2K unter Verwendung eines Spezailsilikons innen und aussen nass verglast.

 
Es handelte sich um eine anspruchsvolle Aufgabe, die wir mit dem neuen Janisol Arte gemäß dem historischen Vorbild konstruktiv in vorbildlicher Weise lösen konnten, sagt Hagn-Leone Geschäftsführer Maurice Leone im Nachhinein. Für uns ist die Sanierung ein gelungenes Referenzprojekt.
Doch auch Architekt und Bauherrschaft sind von der Konstruktion überzeugt: Zug um Zug sollen nun die Fensterelemente in den darüber liegenden Etagen ausgetauscht werden.

Bauzeit:
Feb. 2012 - April 2012